CAPITALO, CHTHULU, AND A MUCH HOTTER COMPOST PILE

Ana Alenso, Madison Bycroft, Shelley Etkin, Liza Dieckwisch, Sonia Fernández Pan, Jelena Fužinato, GeoVanna Gonzales, Ben Greber & Bram Kuypers, Tue Greenfort, Anne Duk Hee Jordan, Femke Herregraven, Eva-Fiore Kovacovsky & Sina Ribak, Marta Leite, Herbert Lohner, Regina de Miguel, Zoë Claire Miller, Nucbeade, Naufus Ramírez-Figueroa, Anaïs Senli, Michael E. Smith, Henry Wilde & Neo Hülcker

Kunstraum Kreuzberg Bethanien

14.04.2018 – 10.06.2018

Kuratiert von Lorena Juan, Lena Johanna Reisner, Anaïs Senli

Wir befinden uns gegenwärtig nicht in einer ökologischen Krise, im Sinne eines temporären Ausnahmezustandes, sondern erleben eine irreversible Mutation des globalen Klimas und der Bewohnbarkeit des Planeten Erde. Dieser Prozess wird von Umweltverschmutzung, Ozeanübersäuerung, Ressourcenabbau und der Nutzung fossiler Brennstoffe, von agrochemischer Industrie und Kriegsführung vorangetrieben, um nur einige der anthropogenen, also menschlichen, Faktoren zu benennen. Der Begriff Anthropozän beschreibt diesen spezifischen Zustand als eine neue geologische Epoche, die sich durch die erheblichen Auswirkungen menschlichen Handelns auf die biosphärische Stabilität der Erde auszeichnet.

Dabei ist der Begriff nicht unumstritten, denn er erklärt die Menschheit als Ganzes als geologischen Akteur und verdeckt dabei die strukturelle Verantwortung multinationaler Konzerne und neoliberaler Finanzeliten. Das Kapitalozän, das Zeitalter des Kapitals, zielt im Gegensatz dazu auf eine Analyse der Auswirkungen globaler Finanzsysteme und kapitalistischer Wirtschaftspolitik auf den Klimawandel. Unter Berücksichtigung der biophysischen Kosten des Kapitalismus, die menschliche und ökologische Akteure in ganz ungleichem Maße zu tragen haben, beschäftigt sich die Ausstellung zentral mit der Frage nach dem Verhältnis des Menschen-in-der-Natur und der Natur-im-Menschlichen.

Menschliche und nicht-menschliche Akteure sind verwoben in komplexen, tentakelartigen Netzwerken, in einer Vielzahl von andauernden Verbindungen, die sich über biotische und abiotische Prozesse erstrecken. Das Chthuluzän ist eine Raum-Zeit der artenübergreifenden Interaktion und generativen Zusammenarbeit in einer beschädigten Welt. Chthonische, beziehungsweise irdische Wesen, verflochten in spekulativer Erzählung, Science Fiction, Science Fact und spekulativem Feminismus, erdenken mögliche Welten und mögliche Zeiten in ungeahnter Gesellschaft. Es ist ein reicher Nährboden für lebenswerte Narrative, die über katastrophistische und deterministische Diskurse hinausgehen.

Im Versuch, essentialistische Entwürfe zurückzuweisen und sich mit einem postkolonialen ökologischen Denken zu verbinden, zeigt Capitalo, Chthulu, and a Much Hotter Compost Pile künstlerische Positionen, die sich mit alternativen Politiken des Ontologischen beschäftigen, mit Umweltfragen und spekulativen Erzählungen für unsere prekäre Zeit. Es handelt sich um Geschichten aus dem Leben (und Nicht-Leben), erzählt von der anderen Seite, um zu verstehen, wie Menschen im Netz des Lebens zugehörig sein, wie sie mit-weben, ko-produzieren und kom-postieren können.

Eine Ausstellung des Kunstraum Kreuzberg/Bethanien kuratiert von Lorena Juan, Lena Johanna Reisner. Gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa: Ausstellungsfonds für Kommunale Galerien, Fonds für Ausstellungsvergütungen und gefördert aus der Projektförderung des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg. Mit freundlicher Unterstützung der Botschaft Spaniens in Berlin.

 AUSSTELLUNGSHEFT

 


 

The current moment is marked not by an ecological crisis, as a temporary state of emergency, but by an irreversible mutation of the global climate and planetary habitability of Earth. It is a process driven by environmental pollution, ocean acidification, resource extraction, the burning of fossil fuels, agrochemical industries, and warfare, to list but a few of the anthropogenic, human factors. The term Anthropocene is commonly used to describe this very condition, giving name to a new geological epoch, defined by the significant human impact on Earth’s biospheric stability.

But this term is not undisputed. It places humanity as a major geological agent, rendering invisible the structural responsibility of neoliberal financial elites and corporations. The Capitalocene –the age of capital– in contrast, draws attention to global financial systems, highlighting the climatic impact of the capitalist political economy. Being aware of the biophysical costs of capitalism and its unequal distribution of human and ecological expenses, the current debate concerning how to think about humanity-in-nature and nature-in-humanity is a core theme of this exhibition.

Human and non-human actors are entangled in complex and tentacular networks, a myriad of ongoing connections extending across biotic and abiotic processes. The Chthulucene is the age of multi-species interactions and generative collaborations in a damaged world. Chthonic or earthly entities entwine with speculative fabulation, science fiction, science fact and speculative feminism to think of possible worlds and times in unexpected company. It is a rich terrain of muddled alignments that compose more livable stories beyond catastrophist and determinist discourses.

In an attempt to reject essentialist propositions and engage with postcolonial ecological thought, Capital, Chthulu, and a Much Hotter Compost Pile shows artistic positions that consider alternative ontological politics, reflect on environmental questions and speculate on possible narrations for our precarious times. These are stories of life (and non-life) told from the other side, to rethink how humans can fit, co-belong, co-produce, co-weave and com-post within this web of life.

 EXHIBITION BOOKLET